Kinder sind nix wert. Also verwaltungstechnisch gesehen.

Herr H., Mitarbeiter des GrünflÄchenamtes

Der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg ist laut Melderegister eines der am dichtesten besiedelten Wohngebiete Europas.
Die zusätzliche Nutzung durch Tourismus und wohnungslose Nachbar*innen führt zu einer massiven Übernutzung des öffentlichen Raumes.

Hinzu kommt der erhöhte Drogenkonsum.

Durch die fortschreitende Verdrängung aus dem öffentlichen Raum und das mangelnde Angebot an sicheren Unterkünften für wohnungslose und/oder drogengebrauchende Menschen, weichen diese vermehrt auf die Spielplätze aus.

Hier leben aktuell allein 18.290 Kinder im Alter unter 6 Jahren, die die wenigen Spielplätze (mit ihren Familien / Kitas) nutzen können müssen.

Wieviele Spielplätze gibt es im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg?

Der Bezirk bezeichnet 168 Flächen als „Spielplatz“.
Hier werden Bolzplätze mitgezählt. Einige dieser Flächen haben kein funktionierendes Spielgerät.

Warum sehen unsere Spielplätze so aus?

Der Abbau der Geräte ohne entsprechenden Ersatz erfolgt nach Angaben des Grünflächenamtes aufgrund mangelnden Budgets. „Kinder sind nix wert. Also verwaltungstechnisch gesehen. Die haben eben keine Lobby.“

Wie sieht die Reinigung aus? Wie oft wird gereinigt?

Von 168 Spielplätzen werden 162 im Auftrag des Bezirksamtes durch externe Dienstleister gereinigt. 6 weitere werden von der BSR gereinigt, da sie sich in Parkanlagen befinden, deren Reinigung die BSR übernommen hat (z.B. im Görlitzer Park).

Die Reinigung erfolgt zweimal wöchentlich in den Sommermonaten. Danach wird auf einmal wöchentlich reduziert.

Während einer Reinigung werden die Flächen einmal abgewischt.
Eine Reinigung des Sandes, der Spielplatz-Ränder, der Gebüsche und unter den Spielgeräten ist hier nicht beauftragt.

Zusätzlich leert die BSR täglich die Mülleimer auf den Spielplätzen.
Sofern sie voll sind. Herumliegender Müll wird nicht mitgenommen.

Der Spielsand auf den Spielplätzen wird einmal jährlich gereinigt/gesiebt.

Wieviel gibt der Bezirk für die Reinigung der Spielplätze aus?

Die Kosten für die Reinigung der Spielplätze durch private Reinigungsfirmen liegen bei 145.000 Euro jährlich.
Das ergibt 70 Euro monatlich für die Reinigung eines (!) Spielplatzes.
(Bricht man dies auf die Kosten pro Reinigung runter, ergeben sich 8,75 Euro, die eine Reinigungsfirma pro Reinigung verdient. Wieviel hierbei für die Reinigungskräfte bleibt, ist mehr als fraglich.)

Gibt es eine Qualitätskontrolle für die Reinigung?

Eine Qualitätskontrolle erfolgt nicht.
Die Reinigungskräfte senden lediglich ein Handyfoto an eine Mitarbeiterin des Grünflächenamtes, um die Reinigung zu dokumentieren. Die Bilder können, nach eigenen Aussagen des Grünflächenamts, „aus Gründen zeitlicher Überlastung und personeller Engpässe“ nicht ausgewertet / überprüft werden.

Wie viel würde eine Vergabe der Reinigung aller Spielplätze an die BSR oder in Eigenregie des Grünflächenamtes kosten?

„Das Bezirksamt schätzt, dass die aktuell zur Verfügung stehende Summe für die Reinigung der Spielplätze vier- bis fünffach höher liegen würde, wenn die derzeitige Reinigungsqualität (hohe Reinigungsintensität und Reinigungsintervalle) zu Grunde gelegt werden würde. Es müssten also 580.000 Euro bzw. 725.000 Euro zur Verfügung gestellt werden.“ (Monika Hermann)

Eine offizielle Anfrage an die BSR durch die BVV ist bis zum jetzigen Zeitpunkt nicht erfolgt.